Morrowind Tagebuch


Tag 1

Morrowind im Jahre 2022? Jawohlja! Tag 1, ich komme! Ich habe den Klassiker nie gespielt, aber nun, 20 Jahre nach seinem Debüt, ist es endlich soweit! Versagen, vorzeitig aufgeben oder sich in ein grünes Eichhörnchen verwandeln – alles ist möglich. Los geht's!

Angekommen in der neuen Welt, werde ich sofort mit tausend Fragen bombardiert, um meine Charakterklasse auswählen zu können. Ich will doch nur spielen! „Wie lange sollen die werten Popohärrchen denn sein?“ Ach herrje, ich dachte, darüber wären wir hinaus. Nun gut, ich suche es mir dann doch lieber selbst aus und lande bei einem feschen Schattenklingen-Argonier. Mit kreativ bunten Popo-Dreads. Prost.

Kurze Zeit später entlässt man mich in die Freiheit. Ich laufe sogleich meinem ersten Schlickschreiter über den Weg. Ehrfürchtig staune ich über diese mystische Kreatur. Er furzt gemütlich vor sich hin. Hui! Riecht nach Ferrero Rocher. Braver Junge. Diese kleinen fluffigen Milben sind mir schon jetzt sympathisch.

Dass es keine Questmarker gibt, stimmt mich als verwöhnten Gamer etwas mürrisch. Jetzt muss ich doch tatsächlich lesen und Hirn einschalten. Dieses Abenteuer ist bereits nach den ersten Minuten dem bitteren Digitaltod geweiht. Aber so einfach gebe ich nicht auf. Stattdessen lese ich meine Questtexte trotzdem nicht, sondern klettere auf einen hübschen Turm.

Da oben ist es ziemlich zugig, aber immerhin gibts ein Feuerschälchen.

Die süße, knuffige Feuerschale ist einsam und mag kuscheln. Es dauert einige Minuten, bis ich mich wieder befreien kann. Genug von diesem dämlichen Turm.

Zurück am Boden labert mich diese dämonische Tante an. Unfreundlich teilt sie mir mit, dass sie keine Zeit für mich hat. Ja, bitteschön, was ist denn das? Ich bin doch nur nichtsahnend vorbeigewatschelt. Sind wir hier also alle leicht passiv-aggressiv. Gut. Eure Quest, die Welt zu retten, könnt ihr euch gleich mal sonst wohin schieben!

Also, für Tag 1 reicht's. Ich gehe zum Strand und bestelle mir eine Pixel-Pina-Colada. 1280×960 Style, Baby!


Tag 2

Fische fangen 1×1! Ich habe mir vorgenommen, zu einer beliebten Ferieninsel zu reisen. Die paar Meter werde ich ja schaffen. Dachte ich.

Kurz nachdem ich meinen kleinen Reptilienzeh ins Wasser strecke, knabbert mich eine hässliche Drachenfisch-KRAWUMSDI-Missgeburt an. Nix da! Ich bin der mächtigste Held, den diese Welt jemals gesehen hat! Mit meinem Over-9000-Dolch spieße ich meine Widersacher erbarmungslos auf!

Nur um wenige Meter weiter von seinen Freunden hinterhältigst in den Arsch gebissen zu werden. Ich segne das Zeitliche. Toll. Kommt davon, wenn man bunte köderförmige Popohaare hat.

Aber ich gebe nicht auf, spreche einen mächtigen Unsichtbarkeitszauber und Schwuppdiwupp - die Insel ist erreicht! Hier begrüßt mich ein anzügliches Pflänzchen namens „Schleppschwanz“. Es verspricht mir ausdauernde und hocherotische Nächte. Ich nehme dankend an und wir vereinbaren Preis und eine spätere Uhrzeit. Ich bin schon ganz wuschig.

Hinter dem nächsten Felsen lauert mir unvermittelt eine bayrische Schlammkrabbe auf. Mein Liebesdolch mit weißen Zaubersternen bereitet ihr ein jähes Ende. Allerdings erleide auch ich schwerste Verletzungen und entschließe mich, meine Gesundheitspunkte durch ein kleines Nickerchen wieder aufzufüllen.

Mitten zur dunkelsten Stunde vernehme ich ein ohrenbetäubendes: „STIIIIIIIIIIIIIIIIIRB!“. Und Zack-Bumm, ich werde ohne Vorwarnung hinterrücks ermordet. Gut. Aber muss das mit dem Schreien denn wirklich sein? Kann man mich nicht einfach normal und still um die Ecke bringen? Muss dafür die ganze Nachbarschaft aufgeweckt werden? Unfassbar. Auf zu einem Versuch.

Diesmal soll es nur ein kurzes Nickerchen sein. Doch als ich aufwache, setzt sich ein nicht näher erkennbares Etwas auf meine Birne und zermatscht mich. Hach… meine Frisur! Tag 2 und bereits unzählige Tode hinter mir. Die feine Urlaubsinsel wird für mich zum Splatterfilmfestival mit medizinisch korrekt durchgeführtem Einlauf. Rückzug!

Auf dem Rückweg treffe ich meine Freunde wieder. Sie schicken mich erneut ins feuchte Grab. Na klar, was auch sonst. Ich verliere endgültig die Fassung! Unter Tränen lade ich mein letztes Savegame.

Stunden später… zurück an Land! Wer erwartet mich? Genau, Ms. Passiv-Agressiv von Tag 1! Diesmal labert sie mir die Hucke voll und ich kann mich kaum von ihr trennen. Heute will hier alles und jeder mit mir ins Bett. Jedoch bin ich bereits anderweitig vergeben, meine Liebe.

Dieser Tag hat mich bereits alles gekostet. Abgemagert und völlig von Lebenspunkten befreit, begebe ich mich zum lokalen Händler. Der dreht mir statt einer erholsamen Mahlzeit jedoch einen Feuerzauber an. Hungersnot oder blöd rumzündeln? Die Antwort ist klar! Leider setze ich, völlig unbeabsichtigt *hust*, den Rock der Assistentin in Brand. Sie klatscht mir eine und besiegelt erneut mein Schicksal.

Völlig pleite und total am Sack, suche ich verzweifelt ein erholsames Plätzchen. Im Keller des Steueramts (!) finde ich ein verstaubtes altes Kissen. Somit ist mein Tagestief eindeutig erreicht. Hach, sehnsüchtig denke ich an meinen Schleppschwanz, wo bist du nur… werden wir uns je wiedersehen?


Tag 3

Bereits der dritte Tag! Diesmal mit epischem Video, sogar mit Sound! Ui!

Die wurmigen Bewohner des Startdorfes langweilen mich. Ich begebe mich auf eine lange Wanderschaft und hoffe, den ersten Teil meiner Quest erfüllen zu können. Nach einigen Metern juckt jedoch bereits mein kleiner Zeh. Bewegung ist wohl nichts für mich. Ich schmeiße dem Schlickschreiter ein paar Draken in die Eingeweide und los geht’s nach Balmora!

Dort angekommen, rutsche ich doch glatt (!) auf der Glatze eines kleinen Gnoms aus und lande direkt im Abwasserkanal. Hat hier niemand daran gedacht, Geländer zu installieren? Treppen gibt es hier auch nicht. Nirgendwo! Hilfe! Mal im Ernst, welche dilettantische Wurst durfte denn hier Map Designer spielen? Hm?

Fröhlich pfeifend treibe ich die gesamte Länge der Stadt entlang. Halb am Ersaufen, schwemmt es mich außerhalb samt eines riesigen Haufens Schlickschreiterscheiße an Land. Ich stinke wie eine südfriesische Schlammkrabbe. Die Bewohner halten einen gehörigen Sicherheitsabstand.

Neues Questziel: Dusche von Heilmasseur Fritz suchen. Die mir mitgeteilte Wegbeschreibung lautet wie folgt: dreimal gackernd im Kopfstand auf einem Bein im Kreis drehen, durch die eigene Nase kriechen und dann direkt geradeaus. Nicht zu verfehlen. Nach stundenlanger Suche lande ich auf einem Hügel oberhalb der Stadt. Keine Spur von einer Dusche. Ich hasse diesen Ort.

Zurück in der Stadt frage ich erneut nach dem Weg. Doch mein Gestank führt zur sofortigen Zernudelung des nächstbesten Bewohners. Tschuldigung.

Endlich Fritz! Endlich Duschen! Fritz ist sauer auf mich, ich habe ihn gerade bei „etwas Wichtigem“ gestört. Genau, du Sumpfgurke! Deswegen bist du ja auch halbnackt! Bevor ich seine Dusche benutzen darf, will er, dass ich ihm das Schnudlhorn des Bockswurstkrabblers aus Oberkrapfendorf besorge. Eh klar. Machen wir!

Kehlkopfsingend mache ich mich erneut auf eine kleine Wanderschaft..


Tag 4

Auf Reise um Fritz sein… öh, Moment, was wollte ich für den nackten Fritz besorgen?

Nach minutenlanger Reise, habe ich Blasen an den Füßen. Völlig erledigt, erblicke ich eine verrostete Brücke. Zum Glück hab ich mein WD 40 dabei. Pflichtbewusst besprühe ich die alten Scharniere als plötzlich zwei Gestalten auftauchen. Einer der beiden strahlt aus dem Schritt. Oh lala!

Autsch. Die Schmiermittel Mafia! Ausgerechnet hier! Konnte jetzt aber wirklich keiner wissen.

Gadgeto Reptilienbeinchen go go! Flucht zurück nach Balmora! Die Wachen dort sind meine letzte Hoffnung. Die beobachten aber nur einfallslos das Massaker welches Leuchtschritt-Hans mit mir erneut verursacht. Zum Zinnober nochmal! Balmora du und deine blümeranten Bewohner können mich mal am Steißbein!

Schwer lädiert suche ich ein ruhiges Plätzchen auf. Eine Unterkunft für eine Nacht soll es sein. Als ich mein Zimmer betrete verjagt die Dame vom Zimmerservice gerade die Kakerlaken. Sie trägt einen verführerischen Namen, ich traue mich sie anzusprechen:

“Hallo TODWENDY00000000, wie wärs mit uns beiden?”

Sie knallt mir ihr Schild zwischen die Beine. Schmerzerfüllt sinke ich zusammen. Eine vorbeilaufende Kakerlake piekst mich mit einem ihrer langen Fühler ins Auge. Kichernd hüpft sie weg. Ich sinke ins Komma.

Im Traum schwebe ich durch eine wolkenzerklüftete Felslandschaft. Eine sanfte weibliche Stimme hallt durch mein Ohr: “Zurüüüück, Zurüüüück.” Will mich da eine alte Liebschaft zurück? Verübeln könnt ichs niemanden. Der Sinn mag sich mir noch nicht erschließen, womöglich bin ich auch der Empfänger einer epischen Prophezeiung? Da poltert es:

“Du Idiot! Zurück zum Startgebiet!”

Am nächsten Morgen folge ich der mystischen Stimme. Hach, der gute alte Turm von Tag 1. Freundlich begrüße ich die Bewohner, sie übergeben sich. Verständlich, habe schließlich noch immer nicht geduscht.

Etwas abseits finde ich den hiesigen Steuerbeamten. Er schläft nur. Damit ihm nicht zu heiß wird, nehm ich mal seine Kleidung und seine Kohle an mich. Schläft brav weiter.

Mitten im Fels entdecke ich eine Tür mit folgender Aufschrift:

“Club 27 – Massage – Mit Pool!”

Als ich die Tür öffne bietet sich mir ein entsetzliches Bild. Hier hat schon lange keiner mehr gewischt. Ist mir zu unhygienisch. Da drehe ich doch glatt um und nehme die Tür nebenan. Dort vernehme ich schnelle Schritte…

“Lassen sie mich vorbei, ich muss dringend ein Paket abliefern!”

Unbeholfen reagiere ich zu spät. Der Paketbote trampelt mich zu Tode. Kann ich verstehen. Bei dem Gehalt und dem Zeitdruck bleibt denen ja nichts anderes übrig.

Beim Bezirksamt im nächsten Fischerdorf lege ich sogleich Beschwerde ein. Der zuständige Beamte nimmt mich sanft und verständnisvoll in seine Arme. Muskulös und gutaussehend ist er auch noch. Ich schmelze. Gemeinsam verbringen wir die Nacht in seiner Hängematte.


Tag 5

So, genug von der vielen Hatscherei, ich bin mittlerweile ein mächtiger Zaubermopsl. Jetzt wird in Arkngthand(WTF) rumgeflogselt!


Tag 6

Tag der Abrechnung!

Heute kriegen alle verkalkten Wasserhähne auf die Eierstöcke, welche mich in den ersten Tagen meines Abenteuers, standrechtlich massakriert haben! Damit ich die ganze Drecksarbeit nicht alleine machen muss, hab ich mir den strammen Siegfried angelacht, ein resches Bürschlein!

Als musikalische Untermalung hätte das Terminator Theme gepasst. Dundundun DUDUN! Da meine nulpenhaften Gegner aber allzusüße Sprüche vor ihrem Ableben von sich geben, war der Originalsound deutlich amüsanter. Du darfst selbst das Terminator Theme summen. Prost!